Die Rensch-Orgel der Stadtkirche Schwaigern lernte ich im Jahre 2000 kennen, als ich für den "Orgelfrühling im Kraichgau", der dann schlussendlich "ORGEL PLUS - Orgelfestival Kraichgau" hieß, auf der Suche nach einem Finale war. Es sollte eine Orgel in der Region sein (naja, Schwaigern kann man noch zum Kraichgau zählen), auf der sich Transkriptionen Bachscher Musik und Elgars Pomp-and-Circumstance gleichermaßen darstellen lassen. Die Wahl fiel auf das Instrument der Lauffener Werkstatt (die Verbindung besteht seit Schulzeiten, der Orgel in Eichtersheim und einem Praktikum) und die Verbindung zu dieser Orgel lässt mich seitdem nicht mehr los. Umsomehr, da wir seit 2007 nur noch acht Kilometer davon entfernt wohnen. Fast zur "Institution" sind die "Organ-Fireworks"-Konzerte am 06. Januar schon geworden, in welcher Form die Tea-Time-Musiken fortgesetzt werden, muss sich zeigen.

Die klangliche Konzeption der Orgel orientiert sich zwischen dem Neo-Barock der sechziger und siebziger, den süddeutschen Barockorgeln (z. B. von J. A. Ehrlich - immerhin hat Rensch schon 1972 die Ehrlich-Orgel von 1747/48 in der Wimpfener Stadtkirche meisterhaft restauriert) und dem nahen Elsass.

Nachdem die Orgel nun dreißig ist und ihr die große Kirchenrenovation 2010-2012 etwas zugesetzt haben, der Schimmel sich schnell und stark ausgebreitet hat (die Kirche ist wohl einfach zu "dicht"!) wird sie im Frühjahr 2015 von der Erbauerwerkstatt generalüberholt werden - ad multos annos!

2015: weiter unten weiterlesen !


Hauptwerk, II, C-g³

Bourdon 16´

Principal 8´

Rohrflöte 8´

Gambe 8´

Octave 4´

Spitzflöte 4´

Quinte 2 2/3´

Superoctave 2´

Terz 1 3/5´

Hohlflöte 1´

Mixtur IV-V 1 1/3´

Cornet V

Trompete 8´

Tremulant

Schwellwerk, I+III, C-g³

Principal 8´

Gedeckt 8´

Salicional 8´

Unda maris 8´

Octave 4´

Flûte harmonique 4´

Sesqialter II

Feldflöte 2´

Sifflöte 1 1/3´

Mixtur V 2´

Dulcian 16´

Oboe 8´

Tremulant

Pedal, C-f´

Subbaß 16´

Octavbaß 8´

Gemshorn 8´

Offenquinte 5 1/3´

Nachthorn 4´

Choralbaß 4´+2´

Posaune 16´

Trompete 8´

Clairon 4´

Koppeln:

II-P, III-P

II-I (2015)


Temperierung:

"Neithard, große Stadt"



erbaut 1984

renoviert 2015

von Rensch, Orgelbau,

Lauffen am Neckar

www.renschorgelbau.com


Fünf Tage ist es jetzt her, das erste Orgelkonzert nach der Renovierung. Acht Wochen mit viel Überstunden haben die Orgelbauer dran gearbeitet, eingesunkene Prospektpfeifen auseinender- und wieder zusammengelötet, dazwischen mit Stabilisierung versehen, die Windladen gehoben, alles neu ausgefilzt, Bälge neu beledert und nicht zuletzt den Schimmel bekämpft und beseitigt. So ganz nebenbei die ungleichmäßige Stimmung von "Kirnberger II" zu "Neithard große Stadt" geändert - ob es zu Schwaigern passt? auf jeden Fall die Chromatik bei Guilmant klang etwas weicher, ohne dem Buxtehude ganz den Charakter zu nehmen.

Und auch ganz so nebenbei wurde eine Schiebekoppel eingebaut, so dass das Koppelmanual nur noch an das Schwellwerk fest angehängt ist, die Koppelung ans Hauptwerk nun per Tritt abschaltbar ist. Das hat den großen Vorteil, dass man Trios nun nicht mehr auf II und III spielen muss sondern es auf I & II etwas bequemer hat. Darf ich mich für die Idee dazu selber loben? Loben muss ich vor allem die Intonation: z. B. der Dulcian 16´ im Schwellwerk bringt gutes Fundament, dass man zeitweise auf den Bourdon im HW z. B. bei Buxtehude verzichten kann. Der Subbaß, der wie ein paar andere Register aus der alten Walckerin von 1910 übernommen war, jetzt noch grundtöniger und wandlungsfähiger, und zusammen mit der Quinte 5 1/3´ vermisst man nicht einmal den offenen Sechzehnfuß.

Ich könnte ja noch viel weiter schreiben über Register und ihren Charakter, aber kommen Sie doch einfach mal zum Orgelkonzert...